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Frust und Krise

Zwei Niederlagen in wichtigen Spielen, schon sind sie wieder da: Frust und Krise.

So dramatisch sehe ich es nicht.

Es ist eher eine Einpendlung auf die Möglichkeiten des Kaders. Nach verpasstem Umweg nach Europa über den DFB-Pokal, rücken nun die UEFA-Cup-Ränge wieder weiter weg. Nicht, dass der Kampf darum schon verloren wäre, jetzt geht es aber gleich gegen drei aufstrebende Kontrahenten: Nürnberg, Leverkusen und Hannover.

Für das nächste Spiel in Gladbach fehlen nun auch noch Simunic (Gelb-rot), Pantelic und Fahti (beide 5te Gelbe).

Auf die Aufstellung bin ich gespannt.

Hertha und der Pokal

Ich mag den DFB-Pokal. Die Pokalsaison 1992/93 gehörte zu den prägensten Ereignissen meiner persönlichen Fußballgeschichte. Doch war es nicht die Profi-Mannschaft, sondern die Amateure, die sogenannten Hertha-Bubis, die uns Freude schenkten.

Durch den Gewinn des Paul-Rusch-Pokals gegen die Reinickendorfer Füchse qualifizierten sich die Bubis für die Teilnahme am DFB-Pokal. Damals gab es noch Freilose und so kam es, dass die Mannschaft erst in der 2. Runde in den DFB-Pokal eingriff. Gegen SGK Heidelberg kamen die Jungs zu einem 3:0-Erfolg, den ich noch nicht live mitverfolgte.

Ab der dritten Runde bewiesen wir aber den richtigen Riecher und verfolgten die Spiele bis zum Finale live. Das Drittrundenspiel gegen den VfB Leipzig fand noch im sehr familiären Rahmen auf dem Platz in der Osloer Straße statt. 4:2 gewannen die Spieler um Stürmer Ayhan Gezen – Spieler, Trainer und Fans feierten auf dem Platz.

Das Achtelfinale brachte mit Hannover 96 eine auf dem Papier unlösbare Aufgabe in die Hauptstadt. Das Zuschauerinteresse stieg und so zog man in das Charlottenburger Mommsenstadion um. Das Spiel wurde zum besten der gesamten Pokalrunde: Die Hannoveraner führten bereits mit 2:0 als Holzbecher, Gezen und Andreas Schmidt das Spiel in der zweiten Halbzeit drehten. Doch Hannover schaffte nochmals den Ausgleich – bevor Andreas Schmidt kurz vor dem Abpfiff das Spiel entschied.

Die Profis schieden unterdessen gegen Leverkusen aus.

Zum Viertelfinale reiste der 1. FC Nürnberg ins nun ausverkaufte Mommsenstadion. In einem spannenden Spiel gewannen die Bubis mit 2:1 gegen die Franken. Beim anschließenden Stürmen des Platzes wurde mein Bruder von einem Hund eines übereifrigen Ordners am Handgelenk gepackt. Nachdem schon tausende Fans auf dem Platz waren, hielten wir das für reichlich überflüssig!. (Oder war das gegen Hannover?)

Zum Halbfinale wurde der Chemnitzer FC ins Olympiastadion gebeten. Das Spiel selbst war nicht so der Reisser, aber mit 2:1 wurden die Sachsen nach Hause geschickt und eine Berliner Mannschaft stand im Pokalfinale im heimischen Olympiastadion.

Nach dem Spiel stand ich zum ersten Mal auf dem Rasen des Olympiastadions und fand auch noch eine Armbanduhr auf Höhe des Mittelkreises :)

Leider ging es nicht so schön weiter: Beim Gang um das Stadion wurde mir von einer Gruppe Chemnitzer mein Hertha-Schal vom Hals gerissen, den ich aufgrund zahlenmäßiger Unterlegenheit kampflos aufgeben musste. Aber Wurscht, wir waren im Finale.

Vom Finale sind mir noch die hässlichen gelben Mützen, die jeder Dödel trug in Erinnerung. Wofür waren die eigentlich? Olympiabewerbung 2000?

Als es im Stadion noch relativ leer war, schaffte es ein wertes Fanclub-Mitglied mit einer Klopapierrolle die gesammelten Getränke der Gruppe 10 Bänke weiter vorne abzuräumen. Durch reflexartiges Pfeiffen und zur Seite schauen konnten wir die Täterschaft vertuschen ;)

Das Spiel selbst war dann weniger aufregend. Ulf Kirsten beendet mit seinem Tor den Berliner Traum. Trotzdem waren sich alle einig, dass wir Teil einer ganz grossen Sache waren.

Soll ich nun noch einen Bogen zur aktuellen Pokalleistung spannen? Die letzten Jahre waren nicht sonderlich erfolgreich, die Niederlagen gegen Kiel, Braunschweig und St. Pauli waren unnötig. Nun startet Hertha wieder zittrig in die Pokalsaison, ein 1:0 nach Verlängerung in Darmstadt. Bitte schenkt uns nach 13 Jahren doch mal wieder besondere Pokal-Momente!